Samstag, 26. Oktober 2013

Smells like teenspirit

1994, im Alter von 22 Jahren, hat Stefan Kalbers mit den Arbeiten an seinem Roman "Notausgang" begonnen. 2001 erschien die Erstausgabe, im September 2013 kam es zu einer Wiederveröffentlichung beim Unsichtbar-Verlag.

Smells like teenspirit  - der Titel von Nirvana könnte das Motto des Romans „Notausgang“ sein. Denn es geht um das Lebensgefühl der 90er Jahre, um Jugendlichkeit, um Erwachsenwerden, um Orientierungslosigkeit und um Sinnsuche.

Der Autor erklärt im Nachwort die beiden wesentlichen Absichten seines Werks, nämlich 1. auf der Basis seines „damaligen Erfahrungshorizonts“ sein Lebensgefühl auszudrücken und 2. eine Standortbestimmung vorzunehmen. 



Der Ich-Erzähler hat zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem (damals 22-jährigen) Autor: „ Ich arbeite an der Tankstelle, damit ich geradewegs so viel Geld verdiene, um mir mein Kellerzimmer und kleine Vergnügungen leisten zu können ...“ Die beim Lesen erkannte und gefühlte Authentizität ist also erlebt und nicht erdacht.

Die Handlung ist schnell erzählt: Drei Freunde hasten zusammen – auf der Flucht vor sich selbst ? - durch einen warmen 90er-Jahre- Sommer in einer nicht genannten Stadt. Es geht rasant von Party zu Party. Der exzellente Schreibstil ist der rastlosen Handlung angepasst. Zwischen Vollrausch und exzessivem Kiffen reflektiert der Ich-Erzähler sein eigenes Leben und versucht, das Leben an sich zu ergründen. Er ist auf der Suche nach einem Lebensziel und Lebenssinn. Der Ich-Erzähler philosophiert, und er betreibt – wie im Nachwort geschrieben – Standortbestimmung. „Und zwar in erster Linie durch Abgrenzung, Ablehnung, Negation und waghalsige Behauptungen …“. Die Lebensentwürfe anderer werden seziert und verworfen, allerdings ohne einen positiven Gegenentwurf zu präsentieren. Von Angst, Schmerz und Orientierungslosigkeit überwältigt flieht er immer wieder in die Betäubung. 

Der Leser und der Ich-Erzähler erschrecken gleichermaßen vor einem massiven Gewaltausbruch des Protagonisten. Doch dieser Handlungsstrang wird nicht weiter ausgeführt. Ist das Ende des Romans eine Anspielung auf Kurt Cobains Suizid? Auch das bleibt offen.

„Notausgang“ ist ein lesenswerter Ausflug in die 90er Jahre und die eigene Adoleszenz.

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Das erste Kapitel als Leseprobe auf der Homepage des Autors: Stefan Kalbers

Vielen Dank an den Unsichtbar-Verlag für die Zusendung eines eBook-Rezensionsexemplars.

Kalbers, Stefan
Notausgang
Unsichtbar-Verlag September 2013
208 Seiten
ISBN-10: 3942920298
ISBN-13: 978-3942920292
EUR 9,99

(eBook: EURO 6,99)

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